Die Bedeutung von Kurt Landauer

An erster Stelle steht Kurt Landauer einmal für Erfolg. Zahlreiche regionale Titel, die erste Deutsche Meisterschaft, das Trainingsgelände an der Säbener Straße als Grundstein für viele weitere Triumphe. Das hat der FC Bayern seinem Ehrenpräsidenten zu verdanken. Hinter dem erfolgreichen Sportsmann steckt aber noch mehr. Die Geschichte der Person Kurt Landauer steht noch für mehr als nur Titel, Tore und Trophäen.

Kurt Landauer – Der Weltoffene

In einer Zeit, in der sich viele Fußballvereine in einer Deutschtümelei verloren, setzte Kurt Landauer die stets weltoffene Orientierung des FC Bayern fort. Dabei war nicht nur die Herkunft der Aktiven ohne Bedeutung, der Präsident versuchte sogar ganz gezielt ausländische Einflüsse nach München zu holen, um das Spiel seiner Mannschaft zu verbessern. 1913 übernahm während Landauers ersten kurzen Amtsperiode mit William Townley ein Verfechter des schottischen Kurzpassspiels den Trainerposten. Später warb Landauer mit Leo Weisz und Kálmán Konrad zwei Vertreter des ungarischen Donaufußballs an. Auch der österreichische Meistermacher Richard „Little Dombi“ Kohn stand in der Tradition dieser Fußballschule.

Sehr zum Argwohn konservativer Fußballfunktionäre und des DFB waren dies aber nicht die einzigen ausländischen Einflüsse im deutschen und vor allem im Münchner Fußball. Landauer wollte nicht nur, dass seine Mannschaft von den Trainern aus taktisch und technisch fortschrittlicheren Gefilden trainiert wird, sie sollte sich auch mit allen Mannschaften messen, die bereits einen feineren und versierteren Fußball pflegten. So absolvierte der FC Bayern eine große Anzahl internationaler Freundschaftsspiele, auch und gerade gegen Vereine aus dem Land des ehemaligen Kriegsgegners England. Dass es dabei auch mal derbe Niederlagen hagelte, war für ihn kein Hindernis.

Eine gelebte Völkerverständigung im Sport, die Liebe zum Fußballspiel und die große Spielkunst standen für ihn über irgendwelchen Ländergrenzen und nationalen Animositäten.

Kurt Landauer – Der Professionelle

Bei einem weiteren Thema standen sich die Positionen Landauers und des DFB diametral gegenüber. Die Fußballoberen wehrten sich vehement gegen die Einführung des Berufsspielertums und klammerten sich fest an den Amateurismus als Grundprinzip des deutschen Fußballs. Dabei spielte auch ein völkisches Denken eine Rolle, die These vom Profisport als Symptom des Niedergangs der Nation war weit verbreitet.

Von einer solchen Denke hielt Kurt Landauer nichts, sein Fokus lag auf der Weiterentwicklung des sportlichen Wettbewerbs. Dass die Spieler dafür entsprechend entlohnt werden mussten, um sich voll auf das Fußballspielen konzentrieren zu können, stand für ihn dabei außer Frage. Ebenso, dass man eine strukturierte Nachwuchsarbeit braucht. Als einer der ersten Vereine in Deutschland förderte der FC Bayern deshalb konsequent den Nachwuchsfußball mit einer eigenen Jugendabteilung, deren Leitung Otto Beer oblag.

Kurt Landauer – Das Mahnmal

Kurt Landauers Vorstellungen passten nicht zum damals herrschenden Zeitgeist. Dass er und seine Familie aufgrund ihrer jüdischen Vorfahren schon früh zum Opfer des Terrors der Nazis wurden, macht ihn zusätzlich zu einem Mahnmal, das uns in Erinnerung ruft, welche Tendenzen es bis heute in unserer Gesellschaft gibt. Menschen, die eben genau keine Weltoffenheit, keine Solidarität und kein friedliches Miteinander wollen, gibt es auch heute noch. Was passiert, wenn man diesen Menschen zu viel Platz einräumt, ihnen das Feld überlässt und ihre Ideen und ihr verqueres Weltbild dominant werden, das zeigt uns exemplarisch die Geschichte von Kurt Landauer.

Kurt Landauer – Der Vergessene

Als ab Mitte der 2000er Jahre immer mehr über das Leben und Wirken Kurt Landauers bekannt wurde, drängte sich für uns die Frage auf, wie es sein kann, dass eine derart tragende Person mit einer so faszinierenden Biographie derart in Vergessenheit geraten kann.

Dank vieler verschiedener Akteure, die Kurt Landauer zurück ins öffentliche Bewusstsein brachten, wurde ihm 2013 auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern die Ehrenpräsidentenwürde verliehen. Er ist dort angekommen, wo er hingehört.

Auch wenn bei Weitem nicht jeder ehemalige Aktive, nicht jedes Mitglied in der Geschichte des FC Bayern eine derart tragende Rolle gespielt hat wie Kurt Landauer, schlummern in der Historie des Vereins sicher noch weitere wertvolle Anekdoten und Geschichten. Diese sollen ans Tageslicht gefördert werden. Die FC Bayern Erlebniswelt ist hierzu ein fantastischer Schritt und leistet tolle Arbeit. Kurt Landauer hat gezeigt wie sehr sich die Auseinandersetzung mit der Geschichte lohnt.

Kurt Landauer und die „FC Bayern-Familie“

Neben den alten Geschichten sollen aber auch die Menschen, die heute noch aus dieser Zeit berichten können oder gerade sogar heute noch neue Geschichte schreiben, in Erinnerung behalten und geehrt werden. Sie sind es schließlich, die den gern genutzten Begriff der „FC Bayern Familie“ ausmachen, die für den Verein gearbeitet haben oder noch arbeiten, einige davon sogar ohne dafür große Beträge auf das Konto zu bekommen.

Kurt Landauer war Teil dieser Familie, der Verein war seine Familie und er hat auf bemerkenswerte Weise alles für sie gegeben.

Wenn die „Bayern-Familie“ heute weiter mit Leben gefüllt werden soll, dann müssen wir uns um eben jene Mitglieder kümmern, die in Not geraten. Denn gerade sie sollen nicht vergessen werden.